Locos Story

Loco kommt wie der Name vermuten lässt aus Spanien, genauer aus der Tötungsstation in der Nähe von Capdepera. Im Sommer 2004 holte ihn eine befreundete Tierschützerin nach Deutschland. Manchmal müssen die Anzeigen in den gängigen Vermittlungszeitschriften so früh geschaltet werden, dass es vorkommen kann, dass die Hunde noch in Spanien sitzen, wenn die ersten Interessenten anrufen. So auch in unserem Fall. Durch Zufall las ich freitags: Süsser weisser Pudel, 3 Jahre.... und dann die Telefonnummer. Entrüstet rief ich alle möglichen Leute aus dem Verein an, warum wir (denn damals gehörten wir auch noch dazu) einen Pudel zu vermitteln hätten, von dem ich nichts wüsste, und überhaupt warum der nicht bei mir sei.

Naja schließlich fuhr ich einenTag später bei der Pflegestelle vorbei, Loco (damals noch Toco) stand auf der Treppe und ich sagte nur:" Das ist MEIN Hund!".

Ich war völlig von den Socken... meine ganze Coolness, die ich sonst undankbarerweise an den Tag legen konnte, wenn es um meine einstigen Vermittlungshunde ging, war dahin. Ich kam mir vor wie der letzte Anfänger, stammelte etwas von darüber schlafen müssen usw.

Mein inzwischen Ex- Freund und ich fuhren wieder nach Hause und zum ersten Mal konnte ich die Interessenten für meine Vermittlungshunde wirklich verstehen. Alle Gedanken drehten sich nur noch um diesen einen Hund. Ich träumte die ganze Nacht von ihm. Lange konnte das nicht so bleiben. Am Montag endlich (grins) kam er dann. Alles passte perfekt, ich war glücklich und ein Dauergrinsen war nicht mehr aus meinem Gesicht zu bekommen.

Das wiederum konnte auch nicht lange so bleiben. Loco war keine fünf Tage da, schon ging es rund. Er hatte sich seinen Namen (=Verrückter) verdient.

Mein damaliger Freund und ich standen kurz vor der Trennung, er brüllte nur noch: "So viele tolle Hunde hatten wir hier, und diesen Drecksköter willst du behalten? Mit dem kannste selber gehen..." Ich brüllte nur noch: "So kannst Du mit dem nicht umgehen, selber Schuld, was machst du mit meinem Hund.." er "ach, jetzt steht es doch schon fest, dass du ihn behälst, ich dachte du wolltest mal gucken und wenn er hier nicht hinpasst ihn vermitteln?" (zugegeben ich hatte dies mal so notdürftig vorgeschoben, obwohl für mich ab der ersten Sekunde klar war, das ist mein Hund).

Nunja, Locos Schandtaten im Überblick:

-"penetrantes in die Bude scheissen" nach langen Spaziergängen
-wenn er draussen mal sein Geschäft erledigte, dann nur auf den Bürgersteig
-mindestens 1x pro Tag sowie 1x pro Nacht aus lauter Panik erbrechen (auf Sofa, Teppich u.ä., natürlich nie auf die Fliesen)
-generell nicht mit meinem Freund spazieren gehen wollen, und somit jeden Abend ein riesen Theater machen mit abschließendem Beissen, es sei denn, ich leinte Loco an und übergab ihn persönlich
-generelles Wegbeissen anderer Hunde UND Menschen
-Kinder und Kinderwagen wurden knurrend und kläffend empfangen
-Baden und Kämmen war nur mit vier Händen und einem Maulkorb möglich
-und sobald man etwas von ihm wollte, egal was, verdrückte er sich knurrend unter Tisch, Stuhl, Bett und Co und wehe man wollte bzw. musste ihn da weg haben, dann hatte man schöne blutende Wunden an den Händen

Kurz: er war wirklich schwierig.

Fakt ist: auch Loco ist ein Traumhund geworden. Die komplette obige Liste können Sie heute streichen.

Pudel sind eben sehr gelehrige Hunde, sie sind sehr intelligent und möchten stets ihrem Menschen gefallen. Auch Loco hat dies mit einigen Umwegen wiedergefunden.
Er brauchte schlichtweg Zeit, um seine Vergangenheit in Spanien zu verarbeiten, und natürlich eine konsequente Führung. Ein sogenannter Anfängerhund war er sicher nicht.

Heute ist Loco Nachbars Liebling, er verträgt sich prima mit anderen Hunden, ließ sich selbst das Futter von unseren einstigen Vermittlungshunden wegnehmen, besonders von den halb Verhungerten. Er war gerne deren Vorbild und half mir fürsorglich bei deren Ausbildung. Er läuft neben dem Fahrrad her und lässt sich von Kleinkindern, die im Bobbycar angerauscht kommen, streicheln. Auch mein Ex und Loco wurden dicke Freunde.

Loco ist nicht mehr nachtragend wenn ich Fehler mache, er setzt dann sein Dr.- von- und- zu- Gesicht auf, ganz als wollte er sagen: "Macht nichts, probiers noch einmal, vielleicht verstehe ich dich dann. Ich warte hier solange."
Jeden Tag erfreut er uns durch seine albernen Spiele, er ist ein richtiger Clown, der die Arbeit mit dem Menschen genauso schätzt, wie einen Verwöhnabend auf dem Sofa.

Ich bin nicht sicher ob ein ähnlich schwieriger Hund sich nochmal so prächtig entwickelt hätte wie dieser Pudel, bzw. wahrscheinlich eher Pudel-Mix.
Tatsache ist jedenfalls, dass ich mich jeden Tag aufs Neue freue, diesen Hund, nach so vielen Vermittlungshunden, endlich behalten zu haben.